Ausbilden ist alternativlos


In über 9000 Ausbildungsstätten deutschlandweit kann man sich derzeit zum Tischler/Schreiner ausbilden lassen. Das Gros dieser Institutionen sind kleine und mittelständische Betriebe – zumeist Innungsbetriebe des Tischler- und Schreinerhandwerks. Sie schultern den Hauptanteil des Fachkräftenachschubs.

TSD-Präsidium: Thomas Radermacher, Heino Fischer, Stefan Zock, Mario Schmidt, Wolfgang Pflücke, Karl-Friedrich Hodapp, Matthias Winter (v. l.). © TSD

Über 300 Gesellinnen und Gesellen wurden allein in den vergangenen drei Jahrzehnten in den sieben Betrieben der ehrenamtlichen Präsidiumsmitglieder von Tischler Schreiner Deutschland ausgebildet. Eine beeindruckende Zahl und zugleich fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die massiven coronabedingten Einbrüche bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen registrieren sie mit Sorge. Denn gerade jetzt gilt es, die eigene Zukunft nicht durch kurzfristige Einsparungen in der Ausbildung zu gefährden. Warum? Ganz einfach!

  1. Ausbildung hat Zukunftspotenzial und dient der Krisenvorbeugung: "Der beste Schutz gegen Fachkräftemangel ist Ausbildung und unsere Gemeinschaft innerhalb der Innungsorganisation garantiert dabei größtmögliche wirtschaftliche Selbstbestimmtheit. Denn die Ausbildungsinhalte legen wir selbst fest." (Thomas Radermacher)
  2. In Krisenzeiten zeigt sich die Stärke des Kernteams im Betrieb. Die dafür essenziellen Alleskönner sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die DNA des Unternehmens verinnerlicht haben: "Für dieses Level braucht es im Durchschnitt zehn Jahre. Da fängt man besser gleich an." (Mario Schmidt)
  3. Ohne Ausbildung kein Handwerk: "Traditionell sind die Gewerke auf eigenverantwortliche Ausbildung ausgelegt – unabhängig von vorübergehenden Krisen und Legislaturperioden. Eine Welt ohne Tischler und Schreiner – wie trostlos!" (Stefan Zock)
  4. Was vor allem junge Leute jetzt suchen, sind Beständigkeit und Sicherheit. Das Tischler- und Schreinerhandwerk bietet beides, denn "unser Handwerk wird immer benötigt und wir haben es selbst in der Hand, dass es immer da sein wird." (Wolfgang Pflücke)
  5. Wichtige Unternehmerregel: Grundlagen der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden. "Mit den Azubis von heute werden wir übermorgen Geld verdienen. Deshalb ist es zu kurz gesprungen, nur die Kosten und Erlöse der Ausbildungszeit gegeneinanderzurechnen." (Matthias Winter)
  6. Corona zeigt: Die Nachfrage ist groß, doch das Angebot schrumpft. Gerade das ist eine Chance für Betriebe. Wer jetzt nicht zögert und die Ausbildung bewirbt, ist sogar im Vorteil. "Wahrscheinlich war es selten einfacher, an gute Bewerber zu kommen, weil viele Unternehmen abwarten. Der Arbeitsmarkt ist dafür offen." (Karl-Friedrich Hodapp)
  7. Die Kundenerwartungen an unsere Branche sind sehr groß. Nur die besten Fachkräfte können diesen Ansprüchen gerecht werden. "So etwas Wichtiges wie die qualifizierte Ausbildung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behalte ich lieber in den eigenen Händen." (Heino Fischer)

Was die Politik erkennt, aber nicht versteht
Auch die Politik weiß um die Bedeutung der beruflichen Ausbildung für die Fachkräftequalität der deutschen Wirtschaft und hat im Zuge des Konjunkturprogramms gegen die Folgen der Corona-Pandemie die Ausbildungsprämie eingeführt. Sie will damit dem Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt entgegenwirken und hat ihre Förderung deshalb stark an wirtschaftliche Einbrüche in den Betrieben gekoppelt. Die Innungsorganisation kritisiert diesen Ansatz: Er greife zu kurz und setze die falschen Anreize. Denn was die Maßnahme nicht bekämpft, ist die allgemeine Unsicherheit, welche die Krise mit sich bringt. Vielmehr versucht die Prämie zu retten, was möglicherweise nicht mehr zu retten ist. Nicht nur TSD-Präsident Thomas Radermacher bezweifelt, dass sich "derart in Schieflage geratene Unternehmen von einer überschaubaren Einmalzahlung motivieren" lassen. Ein breiterer Förderansatz wäre an dieser Stelle zweifelsohne um einiges wirksamer.

Für die Zukunft könnte da schon ein neuer Blickwinkel reichen. Kurzfristig ist diese Angelegenheit jedenfalls nicht zu bewältigen und auch deshalb seit Jahren zentrale strategische Aufgabe der Innungsorganisation. Ob Nachwuchswerbung, die Förderung der Ausbildungsbereitschaft, die Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung oder die Entlastung von Ausbildungsbetrieben – die Herausforderungen sind vielseitig und nur langfristig zu schaffen. Dabei kann die Ausbildungsprämie durchaus mehr bewirken. Sie kann eine Blaupause sein, über die aktuelle Krise hinaus. Doch dazu muss der Gesetzgeber verstehen, warum eine Entlastung für jeden Ausbildungsbetrieb des Tischler- und Schreinerhandwerks von größter Bedeutung ist.


Die Innungsorganisation hat es sich in dieser turbulenten Zeit zur Aufgabe gemacht, die Informationslage zu klären, zu verdichten und alle für die Betriebe des Tischler- und Schreinerhandwerks relevanten Hilfsangebote, Hinweise und Auflagen in einer eigens dafür eingerichteten Übersicht online zusammenzutragen. Die Übersicht wird regelmäßig erweitert und angepasst.

FAQs zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie im Tischler- und Schreinerhandwerk

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