Innovationsprojekt Ergonomie der Werkstatt


© TSD/art-pix.com

Projektzeitraum: Februar 2024 bis Mai 2025

Projektbeschreibung: Das Innovationsprojekt "Ergonomie der Werkstatt" von Tischler Schreiner Deutschland in Kooperation mit Buckoptimal bietet fundierte und zukunftsorientierte Lösungen zur Sicherung von Fachkräften. Das Ziel des Projekts besteht darin, den Mitgliedsbetrieben der Innungsorganisation bewährte und praxisnahe Instrumente zu vermitteln, um ihre Werkstätten und Unternehmen so zu gestalten, dass sie zu einem Ort werden, an dem Arbeit Freude bereitet und eine Wohlfühlatmosphäre herrscht. Im Rahmen des Projekts werden in Zusammenarbeit mit Herstellern und Anbietern von Werkstattausstattungen derzeit 18 Modellbetriebe eingerichtet. Diese Betriebe erhalten während der gesamten Projektlaufzeit umfassende Betreuung und Beratung von unserem Kooperationspartner Buckoptimal. Abgerundet wird das Angebot durch den Beitrag der Innungskrankenkasse (IKK classic). Die kostenfreien Angebote reichen dabei von Schulungen für die körperliche und psychische Gesundheit bis hin zum Einstieg ins betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM).


Der Berater


Martin Buck berät zur Organisation von Werkstätten und Prozessen im Tischler- und Schreinerhandwerk. Er ist Dozent, schreibt Fachartikeln und moderiert ERFA-Gruppen. Sein Ziel ist es, mit Beschäftigten und Inhabern betriebsinterne Abläufe zu verbessern: "Dafür ist es entscheidend, die Sprache der Angestellten ebenso zu sprechen wie die der Betriebsinhaber", sagt der Tischlermeister und Industriedesigner.

Martin Buck (l.) hat 20 Jahre Erfahrung in der Betriebsberatung. © Gerick GmbH

Begonnen hat er seine Beratungstätigkeit bei Festool im Handwerksbereich. Seitdem ist er zum Vordenker in der Branche geworden und setzt auf maximale Praxistauglichkeit. Das überzeugt seine Kunden. Um die Sichtweise der Unternehmer besser zu verstehen, hilft es dem Inhaber von Buckoptimal, dass er auch ERFA-Gruppen moderiert. "Nicht-Handwerker können sich die komplexen Fragestellungen oft gar nicht vorstellen", weiß Buck. "Ausmessen bis Einbauen, okay. Aber darüber hinaus? Investitionspläne, Marketingstrategie, Softwarelösungen, Gebäudeund Energietechnik, die Koordination anderer Gewerke: All das wird heutzutage von Handwerkern erwartet. Doch ohne Hilfe von außen ist das nicht mehr zu leisten."

Und jetzt verändert sich auch noch radikal der Arbeitsmarkt: Über Jahrzehnte bestimmten die Arbeitgeber die Bedingungen. "Inzwischen haben wir einen Arbeitnehmermarkt", ist Buck überzeugt. Das bedeute, dass die Arbeitgeber der Zukunft zwei wichtige Dinge wissen müssten: "Erstens: Viel Umsatz bedeutet nicht automatisch viel Gewinn. Und zweitens: Mitarbeiter muss man pflegen!" Im Prinzip sei sie simpel, diese Denkweise, erklärt Buck. Im Kern ginge es zwar auch darum, den Aufwand zu reduzieren und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, um Produktionen zu optimieren. Doch ebenso existenziell sei es, die Bedeutung von Motivation und Identifikation der eigenen Beschäftigten in diese Betrachtung mit einzubeziehen. Auf den Punkt gebracht, besteht darin für Martin Buck auch der Kern des Innovationsprojekts "Ergonomie der Werkstatt": "Alle Beschäftigte und ganz besonders die Auszubildenden müssen sich in der Werkstatt so wohlfühlen, dass sie nirgendwo sonst arbeiten wollen!"


Projektpartner: Zur Umsetzung des Projekts wurden Partnerschaften mit Herstellern und Anbietern von Produkten für die Einrichtung und Ausstattung von Tischler- und Schreinerbetrieben geschlossen.

Die Ergonomieprofis


Ergonomisches Arbeiten ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Werkstätten, insbesondere für Tischler, Schreiner, Fenster- und Türenbauer, die täglich körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen.

Durchdacht und ergonomisch: die Arbeitstische von Beck Maschinenbau. © Reinhold Beck Maschinenbau GmbH

Die Reinhold Beck Maschinenbau GmbH bietet innovative Lösungen, die den Arbeitsalltag erheblich erleichtern, die Gesundheit der Mitarbeiter schützen und mit denen Betriebe bares Geld sparen. Dabei kann Ergonomie auch ohne hochkomplexe Systeme wie Automatiklager, Automationen und Fertigungszellen erreicht werden – durch gut durchdachte Materiallager und einfache mechanische Helfer. Beck hat dafür Systeme entwickelt, die es ermöglichen, Materialien mühelos von einem Arbeitsbereich zum nächsten zu transportieren. Die Handhabung ist so leicht, dass sie problemlos von einer Person bedient werden kann. Ein weiteres Beispiel sind die HS300 Schwenkmax-Varianten, die das Handling schwerer und sperriger Materialien, wie Plattenwerkstoffe, erheblich vereinfachen. Sie sind speziell darauf ausgelegt, bei größtmöglicher Funktionalität die körperliche Belastung zu minimieren. Dank eines Gegengewichts lässt sich beispielsweise der Rahmen mühelos in die Horizontale klappen und mit einem Pedal oder einer elektrischen Hydraulikpumpe auf die Höhe der Säge einstellen. Eine Besonderheit der Produkte von Beck ist dabei die präzise Höhenverstellung. Sie ermöglicht die millimetergenaue Anpassung der Arbeitshöhe, selbst unter voller Last. Abgerundet wird das Angebot durch passgenaues Zubehör zum Spannen und Fixieren.

Unterm Strich ist für Reinhold Beck Ergonomie somit auch ein Gradmesser für Wirtschaftlichkeit: "Denn es geht dabei nicht nur um Gesundheitsschutz, sondern auch darum, wie Unternehmen unabhängiger, effektiver und damit am Ende sogar produktiver werden können."

Die Heiz-Kühl-Kombinierer


Ein angenehmes Raumklima ist für ein ganzheitliches Ergonomiekonzept in der Werkstatt genauso wichtig wie körpergerechte Arbeitshilfen. Mit seinen Deckensystemen, die im Winter heizen und im Sommer kühlen, bietet Frenger Systemen dafür clevere Lösungen mit praktischen Vorteilen.

Frenger Deckensysteme heizen im Winter und kühlen im Sommer. © Frenger Systemen BV Heiz- und Kühltechnik GmbH

Dank niedriger Vorlauftemperaturen sind die Heiz-Kühl-Systeme sehr effizient und können auch mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Durch die Montage an der Decke bleiben Wände und Böden frei und lassen sich anderweitig uneingeschränkt nutzen. Darüber hinaus wird die Wärme gleichmäßig verteilt. Es entstehen also keine Kältebereiche und dank kurzer Aufheizzeiten bleibt das Raumklima auch bei häufig geöffneten Hallentoren stabil. „Das System hat sich bereits vielfach bewährt, beispielsweise in Autohäusern, Büros, Museen und Wartungshallen und ist deshalb ideal auch für Werkstätten und Verkaufsräume geeignet“, erklärt Dr. Klaus Menge, der als Geschäftsführer unter anderem für die Forschung und Entwicklung zuständig ist. Zum Einsatz kommen die Deckenstrahlplatten, Deckenstrahlheizungen und Kühlsysteme sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen. Dabei ist der Austausch teilweise im laufenden Betrieb möglich.

Über Frenger
Frenger Systemen ist ein Familienunternehmen mit Sitz im hessischen Groß-Umstadt. Am dortigen Standort werden die Heiz- und Kühlsysteme gefertigt. Zu den Kunden zählen führende Unternehmen der Luftfahrt- und der Automobilbranche, aus dem Bereich Maschinenbau sowie internationale Landtechnikhersteller. Neben großen und kleinen Industrie- und Handwerksbetrieben werden die Frenger-Deckensysteme von der Deutschen Bahn, der Bundeswehr, der US Army und vielen deutschen Kommunen eingesetzt.

Die Luftverbesserer


"Saubere Luft soll es nicht nur im Urlaub geben, sondern auch am Arbeitsplatz", dieser Maxime folgend, sorgt Zehnder Clean Air Solutions mit seinem Luftreinigungsservice bei über 3000 Kunden weltweit für staubfreie Hallen in Industrie und Handwerk.

Die Luftreiniger von Zehnder unterstützen die lokalen Absauganlagen in Tischler- und Schreinerbetrieben. © Zehnder Clean Air Solutions

"Mit unseren Luftreinigern erweitern wir den Wirkungsgrad herkömmlicher Absauganlagen erheblich", sagt Michael Bartels, Gebietsleiter Norddeutschland. Davon profitieren Tischler- und Schreinerbetriebe auf vielfältige Weise. So sorgt saubere Luft für weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Gleichzeitig sinken die Reinigungskosten und die Einsatzdauer der Maschinen erhöht sich, weil weniger Staubpartikel an sensible Teile gelangen. Ein Unterschied, der sich schnell bemerkbar macht: "Als Teil der Initiative 'Ergonomie der Werkstatt' liegt es uns besonders am Herzen, dass saubere Luft im Kontext der Mitarbeiterfürsorge die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient", erklärt Bartels.

Marktführer mit dem Händchen fürs Feine
Als Marktführer setzt Zehnder auf Qualität und Zuverlässigkeit. Deswegen entwickelt und produziert das Unternehmen seine Luftreiniger auch selbst in Schweden und verspricht: „Unsere patentierten Filter-Kombinationen nehmen es selbst mit den feinsten Partikeln auf und sind damit besonders effektiv gegen Holzstaub.“ Besonders praktisch ist die Möglichkeit zum geräteübergreifenden Monitoring. So bleibt in Tischler- und Schreinerbetrieben die Luftqualität ständig im Blick und unter Kontrolle.


Betriebliche Umsetzung: Neben besseren Bedingungen für Körperhaltung und -bewegung entwickelt Kooperationspartner Buckoptimal gemeinsam mit den Projektbetrieben auch ergonomische Lösungen für Architektur, Innenarchitektur, Fußböden, Beleuchtung, Raumakustik, Klimatisierung und Luftqualität. Außerdem erhält jeder Projektbetrieb von der IKK classic das Angebot zu betrieblichen Workshops und Schulungen für gesundheitsorientiertes Verhalten am Arbeitsplatz.

Verbesserungen sind planbar


Am Tegernsee plant eine Schreinerei ihre Betriebsräume zu erweitern und profitiert dabei von einem neuartigen Ergonomiekonzept.

Der Maschinenbereich wurde mit dem strapazierfähigen Recyclingboden von Nicocyl ausgestattet. © Eham GmbH

Mit dem Anspruch, ein Vorzeigebetrieb in der Region zu sein, plante Eham, ein am Tegernsee gelegener Innenausbaubetrieb mit 75 Mitarbeitern, einen Erweiterungsbau über zwei Etagen – mit liegender Plattensäge auf dem einen Geschoss und einem zweiten großzügigen Handarbeitsraum auf dem anderen. Ergonomie spielte dabei von Anfang an eine wichtige Rolle, doch ein abgestimmtes und ausgefeiltes Konzept entstand erst im Zuge der Beratung durch Martin Buck. Neben empfohlenen Richtwerten, wie beispielsweise bei der Beleuchtung, spielten auch Vorlieben und Erfahrungen der Beschäftigten eine wichtige Rolle: "Während wir uns im Maschinenbereich für den strapazierfähigen Nicocyl-Boden entschieden haben, war unseren Mitarbeitern für den Bankraum wichtig, Möbel auf dem Fußboden festschrauben zu können, sodass wir dort auf klassische OSB-Platten zurückgegriffen haben", erklärt Stefan Droste – einer der beiden Geschäftsführer bei Eham. Abschließend klärte die Beratung auch Fragen zur Einrichtung ergonomischer Arbeitsplätze, zur Klimatisierung und zur Raumakustik.

Ansprechpartner

Arne Bretschneider
Abteilungsleiter Berufsbildung und Technik

Fachberatungs- und Informationsstelle*

T.   030 308823-30
F.   030 30882379-30
Array

Martin Buck
Inhaber Buckoptimal
Betriebsberater und Kooperationspartner

T.   0151 40706728
F.   0251 5349776
Array

*Die Fachberatungs- und Informationsstellen (FIS) werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.