Verbändepapier hilft

Eineinhalb Jahre beschäftigte die DIN 18008 die Branche. Vor allem die geplanten Anforderungen zur Verwendung von Glas mit sicherem Bruchverhalten wurden lange diskutiert.

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Tischler Schreiner Deutschland hat mit vier Verbänden*, deren Branchen direkt betroffen sind, ein Papier veröffentlicht, mit dem die Verkehrssicherheit bei Glasflächen objektiv bewertet werden kann und das bei der Interpretation des Paragrafen 37 der Musterbauordnung (MBO) hilft. In diesem heißt es**: "[…] Glastüren und andere Glasflächen, die bis zum Fußboden allgemein zugänglicher Verkehrsflächen herabreichen, sind so zu kennzeichnen, dass sie leicht erkannt werden können. […] Weitere Schutzmaßnahmen sind für größere Glasflächen vorzusehen, wenn dies die Verkehrssicherheit erfordert."

In der Praxis sind diese Formulierungen zu abstrakt. Unter anderem deshalb haben die Verbände ihre gemeinsame Hilfestellung entwickelt. Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Baukosten nicht durch flächendeckende Überregulierung unnötig nach oben getrieben werden sollen. Eine simpel formulierte Verpflichtung wäre auch nach Ansicht der Bauministerkonferenz nicht der Königsweg.

Die Hilfestellungen ...
... richten sich gezielt an Bauherrn und Planer sowie nachrangig an ausführende Unternehmen der Branche. Die im Verbändepapier beschriebene, mehrschrittige Risikobeurteilung kann für Türen und wandersetzende, bodentiefe Verglasungen an zum Begehen geeigneten Flächen benutzt werden. Denkbare Anwendungsmöglichkeiten seien daher die individuelle Beurteilung im Neubau und die Bewertung bei Glastausch.

"Die Identifizierung der Gefährdung sowie die Risikoeinschätzung sind als zentraler Schritt innerhalb der Risiko­beurteilung anzusehen. Hierbei wird grundsätzlich zwischen einer sehr geringen und einer höheren Eintrittswahrscheinlichkeit von Glasbruch differenziert", erklärt TSD-Hauptgeschäftsführer Martin Paukner. Während bei einer sehr geringen Eintrittswahrscheinlichkeit für Glasbruch keine weiteren Maßnahmen erforderlich seien, empfiehlt das Verbändepapier, für den Fall einer höheren Eintrittswahrscheinlichkeit das mögliche Risiko genauer zu beurteilen.

Sollte daraus der Schluss resultieren, dass keine ausreichende Verkehrssicherheit vorliegt, nennt das Papier beispielhaft geeignete Schutzmaßnahmen. Die wichtigste ist die Kennzeichnung, so wie es auch die MBO vorsieht. Diese gilt dann als erfüllt, wenn Verglasungen aufgrund Farbtönung, Rahmenanordnung beziehungsweise -abständen, Griffen oder Ähnlichem erkennbar sind, so wie das bei den meisten Außen- elementen (zum Beispiel Fenster und Fenstertüren) der Fall ist.

*Das gemeinsame Verbändepapier zur DIN 18008 wurde vom Bundesverband Flachglas, dem Bundesverband Metall, dem pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsum­produkte aus Kunststoff e. V., von Tischler Schreiner Deutschland und dem Verband Fenster + Fassade erarbeitet.
**Gegebenenfalls kann dieser Text in einzelnen Bundesländern abweichen.

7. November 2019


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