Digitaler Produktpass: TSD fordert praxistaugliche Regeln für Tischler und Schreiner
Mit der Ausgestaltung des Digitalen Produktpasses (DPP) für Möbel nimmt ein zentrales Vorhaben der europäischen Kreislaufwirtschaftspolitik zunehmend konkrete Formen an. Für das Tischler- und Schreinerhandwerk beginnt damit bereits heute die entscheidende Weichenstellung. Der Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland (TSD) begrüßt die mit dem Digitalen Produktpass verfolgten Ziele einer stärkeren Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig fordert der Verband eine verhältnismäßige Umsetzung, die den Besonderheiten handwerklicher Strukturen Rechnung trägt.
Vor diesem Hintergrund hat sich TSD an die zuständigen Bundesministerien gewandt. Da die Einführung des Digitalen Produktpasses wirtschafts-, umwelt-, bau- und digitalpolitische Fragen gleichermaßen berührt, sieht der Verband insbesondere das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung in der Verantwortung, die Interessen des Handwerks auf nationaler und europäischer Ebene zu unterstützen.
„Das Tischler- und Schreinerhandwerk unterstützt die Ziele der Kreislaufwirtschaft ausdrücklich. Unsere Betriebe stehen seit jeher für nachhaltige, langlebige und reparaturfähige Produkte. Regulierung muss jedoch dort ansetzen, wo sie tatsächlich einen ökologischen Mehrwert schafft, und darf bestehende nachhaltige Strukturen nicht unnötig belasten“, erklärt TSD-Präsident Thomas Radermacher.
Kreislaufwirtschaft ja, Bürokratielasten nein
Das Tischler- und Schreinerhandwerk unterscheidet sich grundlegend von industriellen Serienherstellern. Die Betriebe fertigen überwiegend individuelle Einzelstücke, Sonderanfertigungen oder Kleinserien mit hoher Produktvielfalt. Gerade diese Produkte zeichnen sich häufig durch ihre lange Nutzungsdauer, Reparaturfähigkeit und regionale Wertschöpfung aus und leisten damit bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.
Der Verband sieht daher die Gefahr, dass zukünftige Anforderungen des Digitalen Produktpasses für handwerkliche Betriebe zu einem unverhältnismäßigen Dokumentations- und Verwaltungsaufwand führen.
„Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft braucht das Handwerk vor Ort. Viele Tischler- und Schreinerbetriebe arbeiten bereits heute an ihrer Belastungsgrenze. Wenn immer neue bürokratische Anforderungen dazu führen, dass Betriebe aufgeben, verlieren wir genau die Strukturen, die Reparatur, Instandhaltung und Ressourcenschonung erst möglich machen“, so Radermacher.
Die Diskussion gewinnt aktuell an Bedeutung, da auf europäischer Ebene die Vorstudie zur Konkretisierung der künftigen Anforderungen für Möbel im Rahmen eines Delegierten Rechtsakts begonnen hat.
„Jetzt werden die Weichen für die zukünftigen Anforderungen im Möbelbereich gestellt. Deshalb bringen wir die Positionen des Tischler- und Schreinerhandwerks frühzeitig in den europäischen Prozess ein. TSD beteiligt sich an Konsultationen und Fachgesprächen, steht im Austausch mit den beauftragten Consultants und wird sich auch an dem im Oktober anstehenden ersten Stakeholder-Gespräch in Brüssel beteiligen“, sagt TSD-Hauptgeschäftsführerin Dr. Katharina Gamillscheg.
Ziel des Verbandes ist eine Regulierung, die die Kreislaufwirtschaft stärkt, ohne diejenigen Betriebe zu schwächen, die Nachhaltigkeit bereits heute tagtäglich leben.
„Unsere Betriebe sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems. Wer langlebige, reparaturfähige und ressourcenschonende Produkte herstellt, darf durch den Digitalen Produktpass nicht mit unverhältnismäßiger Bürokratie belastet werden. Das Handwerk braucht praktikable Regeln statt zusätzlicher Hürden“, betont Radermacher weiter.
TSD wird die Interessen des Tischler- und Schreinerhandwerks sowohl gegenüber der Bundesregierung als auch direkt im europäischen Gesetzgebungsprozess weiterhin aktiv vertreten.
Berlin, 21. September 2026



