Was 2021 auf dem Programm steht


Corona bleibt auch im ersten Quartal weiterhin der größte Hemmschuh für die Wirtschaft. Unzureichendes Impfmanagement und die Ausbreitung neuartiger Coronamutanten sorgen für eine allgemein zunehmende Unsicherheit in der Gesellschaft und die harten Lockdownmaßnahmen spannen den Geduldsfaden zusätzlich. Auch das bislang vor allem partiell betroffene Tischler- und Schreinerhandwerk spürt allmählich die Effekte, wenn auch deutlich geringer als andere Handwerke.

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So zeigen sich Bau- und Ausbaugewerke, die auch im Lockdown weitestgehend unbeeinträchtigt von behördlichen Schließungen weiterarbeiten können, in der Gesamtschau am stabilsten. Aber auch hier sind etwa ein Drittel der Betriebe von Auftragsrückgängen und Mitarbeiterausfällen betroffen, was sich vor allem auf die Erwartungshaltung an die kommenden Monate niederschlägt. Hier kann und muss die Politik gegensteuern, zum Beispiel mit Erfolgsgeschichten beim Impfprozedere, aber auch mit schnelleren Hilfszahlungen für betroffene Betriebe, ohne wochen- und teils monatelange Verzögerungen wie bisher.

Eine Frage der Effizienz und der Mentalität
Doch das ist nur die kurzfristige Sicht. Darüber hinaus ist 2021 auch Wahljahr und die Handwerksorganisation stellt ganz konkrete Forderungen an die Politik. Das wichtigste Thema bleibt der Bürokratieabbau und die damit verbundene erhebliche Entlastung mittelständischer Strukturen. Konkret wird dies aber nur mit einer effizienten, digitalisierten öffentlichen Verwaltung funktionieren, die von einer Ermöglichungsmentalität geprägt ist. Lohnend wären Investitionen in diesem Bereich aber auch deshalb, weil sie wie ein Verstärker wirken, wenn die Wirtschaft nach Corona auf konjunkturelle Stimulation angewiesen ist, um wieder in Schwung zu kommen. Der eng verwobene Dreiklang lautet demnach: Bürokratie abbauen, Verwaltung effektiver gestalten und mittels gezielter konjunktureller Impulse die Wirtschaft wieder anzukurbeln – als Gegenentwurf zum Gießkannenprinzip, das unsere Fiskalpolitik irgendwann zwangsläufig überfordert. Dies vorangestellt geht es außerdem um konkrete Fragen zur Stärkung der Betriebe, zur Unterstützung der Fachkräftequalifikation sowie zur Förderung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit des Mittelstandes. Die Verbände des Handwerks präsentieren sich hierbei geschlossen und richten einen dringenden Appell an die Politik, die sich anbietenden Zukunftschancen zu ergreifen und die wirtschaftlichen Möglichkeiten unseres Landes auszuschöpfen.

Zur Stärkung der Betriebe (Auszug):
Handwerksbetriebe sind vertrauenswürdig: Deshalb muss es ein Umsteuern bei den erdrückenden und meist präventiven Dokumentationspflichten geben. Gleichzeitig gilt es, handwerksrelevante Gesetzentwürfe einem Praxischeck zu unterziehen. Sozialversicherungsbeiträge deckeln: Das absolute Limit des Zumutbaren liegt bei 40 Prozent. Diese Grenze muss dauerhaft stabilisiert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken. Soli komplett abschaffen: Die teilweise Weitererhebung des Solidaritätszuschlags belastet die Inhaber und Gesellschafter etablierter Handwerksunternehmen und ist verfassungsrechtlich zweifelhaft. Öffentliche Auftragsvergabe an Handwerksbetriebe sicherstellen: Die Beteiligungsmöglichkeiten von Handwerksbetrieben an Vergabeverfahren müssen weiterhin durch das Primat der Fach- und Teillosvergabe gestärkt werden. Zudem sollten öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. AGB-Schutz ausbauen: Der Schutz von kleinen Handwerksbetrieben vor missbräuchlichen Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist weiter zu stärken. Nationale Normungsstrategie Handwerk umsetzen: Normung ist für viele kleine und mittlere Betriebe des Handwerks unüberschaubar geworden. Es braucht eine Rückführung auf unverzichtbare Normen, mehr Transparenz und mehr Mitwirkung der Handwerks- und KMU-Vertreter.

Zur Unterstützung der Fachkräftequalifikation (Auszug):
Ausbildung attraktiver machen: Handwerksbetriebe leisten einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung junger Menschen und tragen damit wesentlich zur Fachkräftesicherung für sich und den Standort Deutschland bei. Die Politik ist daher gefordert, das Ausbildungsengagement der Betriebe anzuerkennen und Ausbildungsbetriebe und Auszubildende im Sinne der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung bezüglich der Kosten zu entlasten. Modernisierungsoffensive der beruflichen Bildungsstätten starten: Berufsbildungsstätten sind die Hochschulen des Handwerks. Sie sorgen für den Wissenstransfer. Um diese entscheidende Funktion aufrechtzuerhalten, müssen die notwendigen Investitionen in Werkstätten, Theorieräume sowie Unterbringungskapazitäten spürbar erhöht werden. Weiterbildung handwerkstauglich weiterentwickeln: Kontinuierliche Weiterbildung der Fachkräfte wird immer wichtiger, damit Handwerksbetriebe ihre Leistungen auf dem stets neuesten Stand der Technik erbringen können. Regelungen zur Förderung von Weiterbildungen müssen deshalb praxistauglich auf die Bedürfnisse von kleinbetrieblich strukturierten Unternehmen und deren Beschäftigte zugeschnitten sein. Beruflichen Fachkräftebedarf gezielt sichern: Fachkräftesicherung ist eine zentrale Herausforderung Deutschlands. Neben der Stärkung des Ansehens der dualen Berufsausbildung müssen die Betriebe durch Förderprogramme gezielt unterstützt werden, Ausbildung weiterhin anzubieten und potenzielle Auszubildende zu finden.

Digitalisierung vorantreiben und Nachhaltigkeit stärken (Auszug):
Breitbandzugang ausweiten: Die Telekommunikationsunternehmen müssen ihren Verpflichtungen aus bisherigen Frequenzauktionen zu einer tatsächlich flächendeckenden Breitbandversorgung im Funkbereich nachkommen. Digitalwirtschaft fair besteuern: Deutschland ist ein Staat mit einer leistungsfähigen Infrastruktur und umfassender sozialer Absicherung. Zur Finanzierung dieser Errungenschaften müssen alle Wirtschaftsteilnehmer ihren leistungsgerechten Beitrag erbringen. Das gilt auch für neue digitale Geschäftsmodelle. Betriebsstrukturen besser berücksichtigen: Die Arbeitswelt in den zumeist kleinen Betrieben des Handwerks zeichnet sich durch ein enges, oft familiäres Verhältnis zwischen Betriebsinhaber und Beschäftigten aus. Regelungen zu Teilzeit, zu mobilem Arbeiten oder Homeoffice dürfen gerade in den kleinen Betrieben des Handwerks nicht zu Personalengpässen und Konflikten innerhalb der Belegschaft führen. Der Gesetzgeber ist aufgefordert, diesen kleinbetrieblichen Strukturen besonders Rechnung zu tragen. Handwerk bei der Nachhaltigkeitswende stärker einbeziehen: Nachhaltiges Unternehmertum ist in den Handwerksbetrieben gelebte Realität. Die anspruchsvollen Nachhaltigkeitsziele in Deutschland können nur erreicht werden, wenn die Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe Handwerk als originärer Nachhaltigkeitstreiber integraler Strategiepartner ist. EEG neu justieren: Die deutlichen Kostenbelastungen von Handwerksbetrieben, die die Haushalte der Beschäftigten gleichermaßen treffen, müssen reduziert werden. Hemmnisse abbauen und Anreize für das Bauen mit Holz schaffen: (Bau)ordnungspolitische Hemmnisse für das klimafreundliche Bauen mit Holz müssen abgebaut werden. Ziel sollte die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum sowie die Verknüpfung der Baupolitik mit Klimaschutz und Energieeffizienz sein. Die öffentliche Hand sollte ihre Verantwortung als Vorbild für nachhaltiges Bauen wahrnehmen. Aufbau klimastabiler Wälder und langfristige Sicherung der Holzversorgung: Angesichts der großen Waldschäden der vergangenen Jahre stellen die notwendigen aktiven Wiederaufforstungen die rohstoffpolitischen Weichen für die kommenden Jahrzehnte. Strategische Ansätze und Gesetze müssen so ausgestaltet werden, dass Waldbesitzer und Holzwirtschaft den für eine Bioökonomie notwendigen Rohstoff Holz in ausreichender Menge erzeugen und verwerten können.

Weitere TSD-Arbeitsschwerpunkte 2021 (Auszug):


Wird in wenigen Wochen online sein: Die neue Born2b-Kampagnenhomepage. © TSD

TSD-Nachwuchskampagne: Der erste große Baustein – die neue Born2b-Kampagnenhomepage – wird in den kommenden Wochen online gehen und damit einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung der Nachwuchsarbeit im Tischler- und Schreinerhandwerk machen. Weitere Bausteine sollen im Laufe des Jahres ausgearbeitet werden. Deutsche Meisterschaften: Der verschobene Wettbewerb aus 2020 wird vom 10. bis 12. Mai an der Holzfachschule in Bad Wildungen nachgeholt. Die Deutschen Meisterschaften 2021 sind regulär für November dieses Jahres geplant und werden in Trier ausgetragen. Die Gute Form 2021: Der Bundesgestaltungswettbewerb soll als Präsenzveranstaltung zur LIGNA.21 vom 27. September bis 1. Oktober in Hannover durchgeführt werden, wird aber zur Sicherheit so geplant, dass auch ein rein digitaler Ablauf möglich ist.

Asbest: Das Thema Asbest wird auf verschiedenen Ebenen bearbeitet (u. a. BG Bau/TRGS, BGHM-Spielgremium Asbest) und vom TSD-Koordinierungskreis Arbeitsschutz betreut. Neben arbeitsschutztechnischen Maßnahmen werden Qualifikationsanforderungen für das Handwerk entwickelt. Passende Lehrgangskonzepte werden aktuell im Auftrag des Bundesinnungsverbandes ausgearbeitet und zeitnah zur Verfügung stehen. Holzstaub: In Sachen Holzstaub geht es derzeit um die Übernahme des nun auf deutsches Niveau abgesenkten EU-Holzstaubgrenzwertes in das deutsche Gefahrstoffrecht. Im Sozialkonsens gilt es dabei, in der TRGS 553 Holzstaub Lösungen für die Maschinen und Tätigkeiten zu finden, die hinsichtlich des Holzstaubgrenzwertes zwischen 2 mg/m³ und 5 mg/m³ liegen. BG-Holz-Schriften: Bestehende BG-Holz-Schriften (u. a. Lackieranlagen, Explosionsschutz, Gefahrstoffe im Tischler- und Schreinerhandwerk sowie die Arbeitsschutzregeln im Bereich der CNC-Technik) werden derzeit in einem aufwendigen Transformationsprozess in DGUV-Schriften überführt.

EU-Bauproduktenverordnung (CPR): Auf EU-Ebene wurde die Überarbeitung der EU-Bauproduktenverordnung angestoßen. Tischler Schreiner Deutschland begleitet den Prozess national über ein Spiegelgremium (VAEG) und auf Ebene der Europäischen Union über die SBS (Small Business Standards). TSD-Fachregelwerke: Noch im März erscheint der erste Teil des neuen TSD-Fachregelwerks "Innentüren". Der zweite Teil soll später im Jahr folgen. Bundesbetriebsvergleich 2020: Im vierten Quartal erscheint der neue Bundesbetriebsvergleich und gibt einen aktuellen Einblick in die betrieblichen Kennzahlen der Branche. Charta für Holz 2.0: Als Mitglied der strategischen Steuerungsgruppe unterstützt Tischler Schreiner Deutschland jegliche Verbesserungen zur Förderung des Werkstoffes Holz generell und speziell beim Wohnungsbau.

Reformbedarf Erstausbildung: Im Oktober werden die ersten Ergebnisse aus der aktuell laufenden Analyse des Ausbildungsrahmenplans, der Ausbildungsstruktur und der Prüfungsregelungen vorgestellt. Damit soll ein weiterführender Diskussionsprozess angestoßen werden, der Ende 2022 in eine abschließende Empfehlung des Bundesausschusses Berufsbildung mündet. Meisterprüfungssatz: Der elfte Meisterprüfungssatz der Innungsorganisation befindet sich auf der Zielgraden und wird fristgerecht Anfang Mai zur Verfügung stehen. Genau zu dieser Zeit ist auch der alle zwei Jahre stattfindende Erfahrungsaustausch zwischen den Meisterprüfungsausschüssen anberaumt.


Die Innungsorganisation hat es sich in dieser turbulenten Zeit zur Aufgabe gemacht, die Informationslage zu klären, zu verdichten und alle für die Betriebe des Tischler- und Schreinerhandwerks relevanten Hilfsangebote, Hinweise und Auflagen in einer eigens dafür eingerichteten Übersicht online zusammenzutragen.

FAQs zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie im Tischler- und Schreinerhandwerk

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