BERUFSBILDUNGSREFORM
Im Erziehungssystem beginnen
Ein Innovationskreis beim Bundesministerium für Bildung und Forschung bereitet unter Beteiligung von Wirtschaft und Gewerkschaften Vorschläge zur Reform der Berufsbildung vor. In einem von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eingebrachten Diskussionspapier wird eine Verkürzung der Ausbildungsdauer auf zwei Jahre sowie die Modularisierung der Berufsausbildung in Ausbildungsbausteine vorgeschlagen. Dazu erklärt Günter Füllgraf, Präsident des Bundesverbandes Holz und Kunststoff (BHKH):
„Mit reduzierten Ansprüchen an die berufliche Bildung lassen sich die aktuellen Probleme auf dem Lehrstellenmarkt nicht beseitigen, das ist der falsche Weg. Der BHKH spricht sich dagegen aus, vor den Problemen bei Erziehung und Schulbildung zu kapitulieren, indem das Niveau der beruflichen Bildung in der Breite abgesenkt wird. Vielmehr fordern wir von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft eine nationale Bildungsanstrengung, um die Qualifikation der Schulabgänger zu verbessern.
Das Handwerk in Deutschland lebt von der hohen, umfassenden Qualifikation seiner Mitarbeiter, das gilt besonders für die Tischler und Schreiner. Diese Qualifikation ist ein wichtiges, oft das einzige Argument gegen Dumpingpreise von Dienstleistungen und Produkten aus Niedriglohnländern. Unsere hohe Qualifikation zu erhalten, ist die Voraussetzung, dass das Handwerk auch in Zukunft auf den europäischen und globalen Märkten im Wettbewerb bestehen kann.
Die berufliche Bildung darf nicht darunter leiden, dass offensichtlich in vielen Familien und im Schulsystem etwas schief läuft. Es darf nicht so weit kommen, dass die Konzepte der beruflichen Bildung sich an der Leistungsfähigkeit von Schulabgängern mit fehlender Ausbildungsreife und Ausbildungswilligkeit orientieren.
Wir schlagen vor, den unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen von Schulabgängern gerecht zu werden, ohne auf hohe Ausbildungsstandards zu verzichten. Dafür bietet sich ein Modell der gestuften Berufsausbildung mit direkten Anschlussmöglichkeiten in die Aufstiegsfortbildung an. Darüber hinaus sollten betroffene Jugendliche über gezielte Förderung zur Ausbildungs- beziehungsweise Beschäftigungsreife gebracht werden. Das Handwerk hat der Bundesregierung dazu sein Konzept ‚Ausbildungsallianzen 5000PLUS’ vorgeschlagen."
06. Dezember 2006
