BUNDESTAGSWAHL
Neu-Orientierung gefordert
Anlässlich der Bundestagswahl am 27. September fordert die Präsidiumsspitze des Bundesverbandes Holz und Kunststoff (BHKH) eine Neu-Orientierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik.
„Die einseitige Ausrichtung auf die Großwirtschaft muss korrigiert werden“, fordert BHKH-Präsident Günter Füllgraf. Durch die Abwrack-Prämie für Autos und die Rettungsaktion für Opel sei der Eindruck gewachsen, dass große Industrie-Unternehmen im Fokus staatlicher Politik stünden. Kleinbetriebe und Mittelstand müssten wirkungsvoller gefördert werden.
„Die Belastung der Unternehmen mit Steuern und Abgaben muss deutlich gesenkt werden“, sagt BHKH-Vizepräsident Alfred Jacobi. Gerade das lohnintensive Handwerk leide unter den hohen Sozialversicherungskosten. In diesem Zusammenhang kritisiert Jacobi auch die Vorverlegung der Beiträge zu den Sozialversicherungen. Seit Januar 2006 müssen die Betriebe sie bereits am drittletzten Banktag des Beitrags-Monats überweisen. Davor waren sie zum 15. des Folgemonats fällig. „Durch Vorabschätzung und Nachberechnung sind nun faktisch nicht mehr 12 sondern 24 Monatsrechnungen zu erstellen“, beklagt Jacobi. „Auf kaltem Weg wird den Betrieben so außerdem Liquidität entzogen. Diese unsinnige Regelung muss zurückgenommen werden. Generell müssen bürokratische Auflagen abgebaut werden.“
Beispiel: der Nachweis von Lenk- und Ruhezeiten bei Handwerks-Fahrten. „Die zugrunde liegende Fahrpersonalverordnung zielt eigentlich auf das Transport-Gewerbe“, erklärt BHKH-Vizepräsident Konrad Steininger. Sie zwinge aber auch viele Handwerker zur kosten- und zeitintensiven Dokumentation. „Bei Handwerkern ist eine Überschreitung der Lenk- und Ruhezeiten jedoch nicht zu befürchten. Sie fahren nur zu ihren Kunden. Deshalb muss das Handwerk von dieser Nachweispflicht ausgeklammert werden.“
Essenziell wichtig sei es, in der aktuellen Krise die Liquidität der klein- und mittelständischen Betriebe zu stärken, so Steininger. Vorschlag des BHKH: Heraufsetzung der Grenze für Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter von 150 Euro auf 1.000 Euro. Außerdem sollte die Vergabe von KfW-Darlehen und -Zuschüssen in der Praxis vereinfacht werden.
Eine weitere Forderung des BHKH zielt auf eine Reform der Unfallversicherung. Zur Beitragsentlastung der Betriebe müsse der Leistungskatalog entschlackt werden. „Es ist nicht einzusehen, warum etwa Unfälle auf dem Weg von oder zu der Arbeit durch die Beiträge des Arbeitgebers mitversichert sind“, beklagt Füllgraf. „Diese Wege betreffen allein den Arbeitnehmer.“
24. Juli 2009
