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Deutscher Tischler- und Schreinertag 2009

Trends er­kennen und daraus Stra­te­gien für die Zu­kunft ent­wickeln – die­sen Bogen schlug der dies­jäh­rige Deut­sche Tisch­ler- und Schreiner­tag am 19. und 20. Juni in Berlin.

Rund 160 Teil­neh­mer waren der Ein­ladung des Bundes­ver­bandes Holz und Kunst­stoff (BHKH) gefolgt. Sie erleb­ten ein hoch­karä­tiges Pro­gramm, mode­riert von Fern­seh-Journa­listin Carla Knie­stedt. BHKH-Präsi­dent Günter Füll­graf konnte Referen­ten zu drei Themen­schwer­punkten begrüßen: neue Märkte für Tisch­ler und Schrei­ner, Fach­kräfte­siche­rung und poli­tische Rahmen­bedin­gun­gen.

Im Dia­log mit Mode­rato­rin Carla Knie­stedt mach­te die Spit­ze des BHKH poin­tiert die Forde­run­gen des Tisch­ler- und Schreiner­hand­werks an die Politik deut­lich (von links nach rechts): BHKH-Präsi­dent Günter Füll­graf und die Vize-Präsi­denten Kon­rad Stei­ninger und Alfred Jaco­bi.

Wel­chen Stellen­wert die Par­tei­en dem Hand­werk ein­räu­men, zeigte sich bei einem Polit-Duell. Für die CDU stand Hart­mut Schau­er­te, Parla­men­tari­scher Staats­sekre­tär beim Bundes­wirt­schafts­minis­terium und Mittel­stands­beauf­trag­ter der Bundes­regie­rung, auf dem Podium. Sein Gegenüber war FDP-Gene­ral­sekre­tär Dirk Nie­bel. Beide Poli­tiker rea­gier­ten un­mittel­bar auf Forde­rungen des Tisch­ler- und Schrei­ner­hand­werks. BHKH-Präsi­dent Günter Füll­graf und die Vize-Präsi­denten Alfred Jacobi und Konrad Stei­nin­ger hatten sie zuvor aus­ge­führt.

Schau­erte versprach Unter­stützung bei der gefor­derten Ände­rung der Fahr­personal­verord­nung. Sie regelt die Lenk- und Ruhe­zeiten im Trans­port­gewerbe. Betrof­fen sind jedoch auch viele Hand­werker. Für sie bedeutet die Verord­nung unnö­tige Inves­titio­nen und Mehr­arbeit. Die eben­falls kriti­sierte Vor­ver­legung der Sozial­versiche­rungs­bei­träge, die die Unter­nehmen zahlen müssen,  bezeich­nete er als „eine der ärger­lichsten Büro­kratie­maß­nah­men der letzten Jahre“.

Der Parla­men­ta­rische Staats­sekre­tär Hart­mut Schauer­te (2. von rechts) und FDP-General­sekre­tär Dirk Niebel (links) im Gespräch mit BHKH-Präsi­dent Gün­ter Füll­graf (rechts) und BHKH-Haupt­geschäfts­führer Peter Schrei­ber.

Nie­bel erinn­erte daran, dass die FDP seiner­zeit die Vor­ver­legung abge­lehnt hatte: „Die Regie­rung hat das gemacht, um an das Geld der Betrie­be zu kom­men.“ Nun könne man diese Rege­lung aber nicht mehr zurück­neh­men. Die finan­ziellen Mittel seien einge­plant und nötig, um eine Steuer­reform umzu­setzen.

Niebel teilte auch die BHKH-Kritik am Ent­sende­gesetz. „Mindest­löhne sind maxi­maler Unsinn“, sagte er. Bezüg­lich der Umsatz­steuer für Unter­nehmen for­derte er eine dauer­hafte Um­stel­lung von der Soll- auf die Ist-Besteue­rung. Jeder Betrieb sollte diese Steu­er erst dann zah­len müs­sen, wenn sein Kunde die Rech­nung tat­säch­lich be­glichen hat – und nicht vorab. Einer redu­zier­ten Mehr­wert­steuer auf Hand­werker­leis­tungen räumte Niebel ebenso wie Schauer­te wenig Chancen ein.

Zum Thema „Neue Märkte“ refe­rierte Dr. Werner Beutel­meyer, Grün­der und Geschäfts­führer des öster­reichi­schen Markt­forschungs­insti­tuts market. Chan­cen für Tisch­ler und Schrei­ner sieht er unter ande­rem in der stärker wer­denden Ziel­gruppe der älte­ren Men­schen und dem Trend zur Indi­viduali­sierung. „Die Woh­nung ist die Bühne des Ich“ – für Tisch­ler und Schrei­ner sei der daraus resul­tierende Wunsch nach Exklu­sivität ideal.

Wolf­gang Berg­mann refe­rierte ein­drucks­voll über das Innen­leben von Jugend­lichen.

Ver­schie­dene Aspek­te wurden zum Thema Fach­kräfte­siche­rung beleuch­tet. Erziehungs­wissen­schaft­ler Wolf­gang Berg­mann erläu­terte, warum Jugend­liche „anders ticken“ als Erwach­sene. Sie hätten oft ein über­höh­tes Selbst­bild; die Befrie­di­gung der persön­lichen Bedürf­nisse stehe im Vorder­grund. Um ihre Illu­sio­nen zu bewah­ren, wür­den viele Jugend­liche der Rea­lität aus­weichen. Berg­manns Lösung: „Vertrau­en und Ord­nung, Liebe geben und Gehor­sam verlan­gen – dann klappt’s.“
 
Kommu­ni­ka­tions-Coach Mathias Buck­steeg stellte ein Konzept zur Nach­wuchs­werbung für das Tisch­ler- und Schreiner­hand­werk vor. Die Jugend­lichen müss­ten forsch und witzig ange­sprochen wer­den. Wichtig sei, dass sie viele Mög­lich­keiten der Inter­aktion hätten. Der BHKH plant, das Kon­zept umzu­setzen und mit der über­greifen­den Image-Kam­pagne des Zentral­verbands des Deut­schen Hand­werks zu ver­zahnen.

Rainer Hans Klein von der Holz-Berufs­genossen­schaft refe­rierte über Mög­lich­keiten, wie ältere Mit­arbeiter als Leis­tungs­träger länger im Betrieb gehal­ten werden können. Neben persön­licher Wert­schät­zung und einer brei­teren Entschei­dungs­frei­heit seien Gesund­heits­förde­rung und ergo­no­mische Hil­fen wichtig. Statt der Defi­zite der älte­ren Mit­arbei­ter müss­ten ihre Kompe­tenzen in den Vorder­grund gestellt werden.

Sport­medi­ziner Dr. Willi Heepe rückte die gesund­heit­liche Eigen­vor­sorge in den Mittel­punkt. Mit dras­tischen Wor­ten machte er klar, dass dazu mehr Bewe­gung und eine Um­stellung der Ernäh­rungs­gewohn­heiten unerläss­lich sind.

Preis­träger und Spon­soren des Wett­bewerbs "Ent­spannt moder­nisie­ren." mit BHKH-Vize-Präsi­dent Al­fred Jaco­bi (links) und BHKH-Präsident Günter Füllgraf (rechts).

Best-Prac­tice-Bei­spie­le in Sachen Fach­kräfte­siche­rung lie­fer­ten die Schrei­ne­reien Wester­mann (Denken­dorf, Baden-Württem­berg) und Bram­mertz (Aachen). Meike Deuschle, Personal­lei­terin bei Wester­mann, stellte die erfolg­reiche Feed­back- und Kommuni­ka­tions­kultur vor, die in ihrem Betrieb gelebt wird. Alice Bram­mertz ver­deut­lichte, dass ein Unter­neh­men nur gesund sein kann, wenn alle Mit­arbei­ter moti­viert, gesund und damit leis­tungs­fähig sind.

Einer der Höhe­punkte der Veran­stal­tung war die Ver­leih­ung des Preises „Ent­spannt moder­nisieren.“ durch BHKH-Vize­präsi­dent Alfred Jacobi. Die Qualitäts­initia­tive „Ent­spannt moder­ni­sieren.“ hatte ihre Mit­glie­der Anfang des Jah­res zum Wett­bewerb aufge­rufen. Prä­miert werden soll­ten gewerke­über­grei­fende Moder­nisie­rungs­pro­jekte, die sich durch fach­liche Qua­lität aus­zeichnen und eine rei­bungs­lose Reali­sierung. Die teil­nehmen­den Tisch­ler und Schrei­ner mussten die betei­lig­ten Gewerke koor­dinie­ren und selbst an der Aus­füh­rung betei­ligt sein.

Von den ein­gereich­ten Objek­ten wurden die fünf besten mit Geld­preisen von ins­gesamt 8.000 Euro ausge­zeichnet. Sieger wurde die baye­rische Schrei­nerei Ludwig Mayr aus Man­ching. Sie wurde für den vor­bild­lichen Umbau eines Ferien­apparte­ments gewürdigt.

Zwang­loser Rah­men: Beim abend­lichen Sekt­em­pfang tausch­ten die Teil­neh­mer des Deut­schen Tisch­ler- und Schreiner­tages ihre Ein­drücke aus.

Zeit zum Fach­gespräch unter Kolle­gen bot das fest­liche Gala-Buffet am Abend. Das Ber­liner Impro­visa­tions­theater „Die Go­rillas“ sorg­te dabei für kurz­weil­ige Unter­hal­tung. Anlass für die gute Stim­mung war auch ein beson­deres Jubi­läum: Gefei­ert wurde das 125-jährige Beste­hen des BHKH.

Der Deut­sche Tisch­ler- und Schreiner­tag wurde unter­stützt von der Versiche­rung SIG­NAL IDU­NA sowie: CREA­TIS, CWS-boco, Egger, Gmünder Ersatz­Kasse (GEK), Häfele, Hans Brüg­mann GmbH & Co KG (RAMPA), Klöpfer­holz, Leitz, PRAC­TIVE (HOMAG-Gruppe), SPAX und den Stadt­werken Leip­zig.

Programm des Deutschen Tischler- und Schreinertags 2009